Das einzige Lächeln heute: Ein Linzerauge in der Auslage einer Dönerbude an der
Thaliastraße.
Der Gladiator. Wie er den Helm abnimmt. Seine müde Stirn darunter.
[ +48° 18’ 41“ nördlicher Breite, + 16° 16’ 9,40“ westlicher Länge] Die Koordinaten
deines letzten Atemzugs.
M. ließ mich durch mein Schlüpfen in seinen Blick daran denken mir seine Haltung wie
ein Kleid anzugießen. Es passte sprichwörtlich ebenso.
Das allerzarteste Wesen ging aus den Lenden des Sohnes eines Schlächters hervor!
Im Wald von Schönbrunn. Der Mann imitiert Vogelstimmen, die Hände voller Futter in
den Himmel gestreckt.
An den Rändern der Freude wächst die Versteinerung wie Eisblumen.
Hinter meinen Knochen spüre ich wie du dich hervorprägst als etwas Zartes. Vielleicht
ist nun mein Aussehen verändert?
Die Spuren deiner Existenz ganz in mich aufnehmen und vermittels meines Lebens ins
Biologische zurückholen.
Man sieht, dass es gelingt. Man sieht, dass es gelingt und weiß nicht, was der
Grund dafür ist. Man sieht es bei den anderen.
Meine Kläglichkeit mit beiden Händen greifen und an mich drücken.
Einen Menschen charakterisieren, dabei keine Eigenschaften verwenden.
Die Suche nach der Perfektion verhindert das Finden.
Wie das Gesicht des Menschen, während er isst, tierisch wird.
Wie sich die Sonnenblumen von der Sonne abwenden.
Die zerzauste Audrey-Hepburn-Frisur über dem fallenden Gesicht der Schaffnerin.
Durch das Land fahren, es vermittels der Augen in mich hineinnehmen.
Manche Menschen lesen, um aus der Welt weg zu gelangen. Ich dagegen lese, um mich
tiefer in die Welt hineinzubohren. Das Gewinde wird vermittels der drehenden Bewegung in mich
geschnitten.
Auf der Kellergasse, unter dem Almdudler-Sonnenschirm, die Winzerkönigin mit der Plastikkrone.
Zürich: Den Ort mit Hilfe der Augen in mich einatmen.
Berlin, Wannsee, Heimweg vom Grab des Heinrich von Kleist und der Henriette Vogel: In der Hitze sammeln
sich zwischen den Eisenbahnschwellen die Gedanken.
Zug nach Rostock, kurz vor Oranienburg: Der Schreier in meinem Kopf richtet sich zur Stirne hin.
Ich schreibe vielleicht wie ich spreche, ich spreche vielleicht wie ich denke? Ich weiß es nicht. Kann
man denn Gedanken überhaupt aufschreiben?
Freitag Nacht. In der Studentenkneipe. Ein nicht mehr junger Mann, Anzug, rote Krawatte, sitzt alleine
am Tisch. Wie sein beliebiges Gesicht sich behaupten will, während die ringlose Hand das Bierglas
umfasst.
Der Text ist ärmer als der Autor.
Wie der Vogel noch stehend schon fliegt.
Hingestreckt liegt er da. Wie schwellend seine Lippen aussehen in den Spiegeln des Stundenhotelzimmers.
So wiegt
es und wiegt es, noch tiefer und tiefer, der Fall eines Lebens ins andere hinein.
Das Wort
ist eine Leiche, sagte der Dichter.
Wie der
Mann zusammengekauert auf dem roten Plastiksitzen der U-Bahn schläft. Seine Gitarre am Boden unter ihm.
Duino:
Wie weit er vor mir geht, schweigend, auf unserem letzten Spaziergang.
Widerspruch: Das In-mich-Kriechen mit den Augen, während die Worte mich zurückstoßen.
Wie das
Gesicht unter der Mütze schwimmt.
Die
Vertikale im Winterwald.
Was,
wenn es der Dichter nicht ertragen kann?
Wenn die
Erde den Streit gewinnt, wird die Welt verlöschen.