Lass dich fallen, dein Boden bin ich – Tanzverdichtungen 4.1.2016
Es ist der Tanz, der den Tänzer hervorbringt, nicht umgekehrt.
Die Zeit des Tanzes ist die Erlebniszeit seiner Wegstrecke im Raum.
Lebensraum ist Tanzraum
Der Tänzer am Strand hat das Ziel in sich. Er ist gemeint. Sein Tanz ist der Weg ins eigene. Er ist absichtslos. Es gelingt nur, wenn es absichtslos ist.
Die Bedeutung des Ganzen ist vielleicht nur die Bewegung deines Hauptes. Sieh, wie rot aber deine Lippen sind und wer dich hierher geführt hat.
Der Tanz ist vierdimensional.
Der Tänzer ist das Instrument des Tanzes. Ein Wort kann ihn über die Schwelle heben, denn der Tanz hat auch Worte.
Der Leib, nicht etwa der Körper ist das Erscheinungsbild des Tanzes. Auch deine Tränen sind Leib.
Das Licht und die Luft tanzen, die Worte weglassen.
Die Schritte schneien in den leeren Raum.
Der Tanz hält dich, er hält dich in deinem Wesen und du bist der, der ihn hält als das dich in deinem Wesen haltende. Man sieht es an der Weise wie du auf dem Boden liegst, wenn die Nacht kommt.
Worte sind antigrav.
In der Bewegung wird das Beharrliche und das Schwere leichter. Die Bewegung ist Erlösung und die Bewegung ist Versuchung.
Die Bewegung entsteht aus sich selbst. Die Bewegung bewegt.
Es gibt eine Sprache des Tanzes, sie ist noch vor dem Wort, sie ist vorläufig wie die Zeit und älter als die gesprochene Sprache.
Um eine Bewegung zu beschreiben, braucht es viele Worte.
Selbst die Starre ist Aggregatszustand der Bewegung. Der Vogel, noch am Boden, fliegt schon.
Fließen bedeutet frei Werden. Die noch nie gemachte Äußerung schreien, ohne Stimme.
Er schwebt vielleicht, und was schwebt, hat seinen Boden in sich selbst.
Die Zeit hat er uns gezeigt, der Tänzer, den Augenblick ins Stehende gebracht durch seinen Sprung. Die ganze Intensität des Jetzt. Er war die Zeit und der Raum.
Leibend tanzt er uns die Welt ins Licht.
Schwer ist er, der müde Körper und oft ängstlich, denn die Nacht ist lichtlos und der Tag hilft wenig. Das Stehen ist schwer. Das Schweigen ist schwer. Das Stehen ist schweigende Bewegung.
Ich habe das Wort, es kann dich halten und eine Weile wirst du bleiben, gut dich nähren an der Tiefe und dem Schmerz, denn empfindsam bist du, durch den ganzen Leib hindurch, wie ein spärlich bekleidetes Kind unter dem Nordlichthimmel.